Die Motive
Mertens begann seine eigene Ermittlung, leise und unauffällig, wie man es in einer Kleinstadt tun musste, in der jedes Gespräch am nächsten Tag auf dem Marktplatz wiederholt wurde. Er sprach mit dem Wirt vom Ratskeller, der sagte, Hagen habe am Abend seines Verschwindens drei Bier getrunken und mit dem Apotheker gestritten, leise aber heftig, über etwas, das der Wirt nicht verstanden hatte.
Der Apotheker, ein Mann namens Dr. Fromann, bestritt den Streit, was ihn sofort verdächtig machte, denn in Wernau bestritt man nur Dinge, die wahr waren. Mertens grub weiter und fand, dass Hagen und Fromann vor zwanzig Jahren Geschäftspartner gewesen waren, in einem Immobiliengeschäft, das schlecht geendet hatte, und dass Fromann seitdem einen Groll hegte, der so alt und tief war wie die Stollen unter dem Harz.
Aber Fromann war nicht der Einzige mit einem Motiv. Hagens Frau hatte eine Lebensversicherung abgeschlossen, drei Monate vor dem Verschwinden. Der stellvertretende Bürgermeister hatte sich um Hagens Posten beworben und war abgelehnt worden. Der Förster hatte einen Rechtsstreit mit der Gemeinde, den Hagen gegen ihn entschieden hatte. In Wernau, entdeckte Mertens, hatte jeder einen Grund, Hagen loszuwerden. Die Frage war nur, wer den Grund in die Tat umgesetzt hatte.