Chapter

Das Verschwinden

Bürgermeister Hagen verschwand an einem Mittwochabend im März, irgendwann zwischen dem Abendessen im Ratskeller und dem Moment, in dem seine Frau um elf Uhr abends bemerkte, dass er nicht nach Hause gekommen war. Das war in Wernau nichts Ungewöhnliches — Hagen war bekannt dafür, abends lange im Rathaus zu arbeiten oder in der Kneipe am Marktplatz zu sitzen. Ungewöhnlich war, dass sein Auto noch vor dem Rathaus stand, sein Mantel noch an der Garderobe hing und sein Handy auf dem Schreibtisch lag, als hätte er nur kurz den Raum verlassen. Kriminalrat a.D. Otto Mertens erfuhr davon beim Frühstück, als die Nachbarin es seiner Frau erzählte, die es ihm erzählte, die ihn dabei erwischte, wie seine Augen zu leuchten begannen. Er war seit vier Jahren im Ruhestand und langweilte sich so gründlich, dass er angefangen hatte, Kreuzworträtsel zu lösen, obwohl er Kreuzworträtsel hasste. Die Polizei aus der Kreisstadt kam und ging, stellte Fragen, machte Notizen, fand nichts. Mertens stand am Fenster und beobachtete die Beamten und dachte, dass sie die falschen Fragen stellten. Sie fragten, wo Hagen war. Die richtige Frage war, warum er gegangen war — und warum er sein Handy zurückgelassen hatte, das Gerät, ohne das kein Mensch unter siebzig mehr das Haus verließ.

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