Chapter

Unter schwerem Verdacht

Ja, die Liebe allein tut's nicht, wenn zwei Leute sich fürs Leben verbinden; sie mögen so viel Herz füreinander haben, als es irgend nur angeht, der Mensch hat leider daneben auch einen Magen, und der wird davon nicht satt, wenn man sich gleich gegenseitig zum Fressen gern hat, und der verlangt keine Liebkosung, höchstens leidet er's gerne, wenn er hübsch voll ist, daß man mit der flachen Hand behaglich über ihn streicht. Daran mußten auch die Kleinhäuslersleut', der Peter Kirninger und sein Weib, die Rosalie, glauben. Sie waren vor dritthalb Jahren getraut worden, er hatte die Hütte von seinen Eltern her, sonst nichts, die Rosalie hatte überhaupt nichts und brachte daher auch, außer dem, was sie auf dem Leibe trug, nur ein sehr bescheidenes Bündel mit unter Dach. Die beiden jungen Eheleute mußten hart im Taglohne arbeiten, um sich durchzubringen, und sie gestanden sich bald in aller Stille, daß sie's besser hatten, als sie allein, jedes für sich, sorgten. Wenn der Ehezwistteufel unter armem Volk Hader und Zertragen stiften will, so schickt er vorab zwei auserlesene Gesellen in das Haus und Herz derer, die er entzweien will; der eine ist ein einschmeichelnder Verführer, er stellt sich, als wär' er ein nächster Verwandter der tröstlichen, menschenfreundlichen Hoffnung, er verheißt goldene Berge von einer – Ziehung auf die andere, da ist es heraus, der saubere Patron heißt der

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