Chapter

Unter Fremden

Aus dem deutsch-amerikanischen Leben. Von Otto Ruppius Ein finsterer, schwerer Himmel lag über der Häusermasse der amerikanischen Stadt, daß die Gaslichter in den endlosen schnurgeraden Straßen kaum ihren nächsten Umkreis zu erhellen vermochten und die dunkeln, schweigenden Gebäude in unerkennbare Fernen hinauf zu wachsen schienen. Es war schon spät; nur dann und wann noch klang durch die Stille ein verschwindendes Wagengerassel oder das Lachen einer verspätet heimkehrenden lustigen Gesellschaft, während in langen Zwischenräumen raschen Schritts ein einzelner Fußgänger, vorsichtig sich von den Häusern entfernt haltend, den Seitenweg entlang eilte. Da bog um die Ecke einer der breiten Straßen eine dicht verschleierte weibliche Gestalt, hielt scheu ihren Schritt an und schien auf ein ihr nachfolgendes Geräusch zu horchen, um dann fliegenden Schrittes und scheinbar unbekümmert um die eingeschlagene Richtung den sich vor ihr aufthuenden Weg zu verfolgen, und erst als sich ihrem Auge ein noch erleuchtetes Kellerlocal gezeigt und sie einen Blick durch die unverhüllten Fenster geworfen hatte, blieb sie stehen, athemschöpfend und dann wie unentschlossen bald durch die erhellten Scheiben, bald in die einsame Straße hineinblickend. In diesem Augenblicke öffnete sich die Glasthür des Locals, um eine kräftige, untersetzte Figur in langer Schößenjacke und groben, leinenen Beinkleidern, die

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