Die Liese - I
„Ja, das ist mir im Kopf geblieben, es ist wahr, Du hast Recht, ich weiß nicht, warum es so ist, aber die Leut’, denen etwas passirt ist, die habe ich nie vergessen können. Es giebt noch eine ganze Menge Bekannter aus unserer Kinderzeit, sie haben geheirathet, oder sind ledig geblieben so wie ich, sie haben Kinder bekommen, haben Glück damit gehabt oder sie sind ihnen an Kinderkrankheiten schon weggestorben, wie das so geht, es ist ihnen nichts besonderes passirt. Einer oder der Andere hat sich sogar viel erwirthschaftet und könnt’ sich die „blaue Gans“, wenn sie noch dort stehen würde, kaufen. Dasselbe Haus, wo er früher in der kleinsten Kammer gewohnt hat!... Mein Gott, er hat halt tüchtig gearbeitet und die rechte Zeit benützt. Das kommt nicht oft vor, und denjenigen, denen es passirt, denen ist es zu vergönnen.“ „Also reich geworden sind auch einige von unsern alten Nachbarn?“ fragte ich die Liese, und sie erzählte dann in ihrer behäbigen nachdenklichen Weise fort. Zuweilen sprach sie wie ein Kind, so schlicht und unklar darüber, wie die Dinge entstanden sind und warum sich Eines oder das Andere so begeben hat, wie sie es schilderte, immer aber voll von feinem Empfinden und manchmal mit dem überraschend scharfen Blick, der einsamen Menschen und besonders einsamen Frauen eigen ist, die bei regem hellem Verstand wenig Gedankenaustausch haben. Die Liese sah und sah immer