Chapter

Unser Hans

Das hat wohl die Mailuft getan, du lieber, treuer Mensch, daß ich in den letzten Tagen jählings wieder so oft habe deiner gedenken müssen – diese lieblich tückische Frühlingsluft, welche Sieche tötet und Kinder fröhlich gedeihen läßt und in jedem geprüften Herzen dieselben seltsam wechselnden Stimmen weckt, welche einst um diese Jahreszeit geheimnisvoll die Haine von Hellas durchtönte: die wildaufjauchzenden, todesbang schluchzenden Sänge der Adonisfeier... Ach, wie eigen geschieht es dem Herzen in diesen Tagen, da allerwärts süßkräftiger Duft ist und freudiges Blühen; gern jauchzt es mit, sein kühnstes Hoffen dünkt ihm nicht mehr töricht, und sein Geschick will es nur nach dem messen, was es noch zu gewinnen träumt – und siehe! vielleicht dieselbe Stunde weckt tiefe Wehmut in demselben Herzen, und es muß seiner Toten gedenken und sein Geschick nach dem messen, was es bereits verloren! ... Das hat wohl die Mailuft getan, stiller Hans, daß ich wieder deiner gedenke. Was könnte es auch sonst gewesen sein? Noch liegt mir ja die eigene Jugend nicht ferne genug, um in der Erinnerung gern immer wieder auf jene engen Pfade zurückzuflüchten, welche so kühl und schattig waren, weil sich die Palmen der Ideale darüber wölbten und rechts und links das Baumwerk der Jünglingsträume aufschoß, hoch, in den Himmel hinein. Und du selbst, Hans, du hast mich nicht wieder an dich erinnert, seit

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