Chapter

Erstes Kapitel

Frau Mößler saß auf einem niedrigen Stuhl in ihrem Boudoir, dessen Wände mit chinesischem Seidenstoff bespannt waren. Der Raum befand sich dicht neben ihrem Schlafgemache; aufmerksam lauschte sie dem Berichte, welchen Herr Eliphas Clément ihr über die Wohltätigkeitsspenden erstattete, die er im Laufe der verflossenen Woche in ihrem Namen verausgabt hatte. Die »Goldkönigin«, wie man Frau Mößler in der Pariser Welt nannte, trug ein dunkles Seidenkleid; sie mochte etwa sechzig Jahre zählen, hatte eine auffallend bleiche Gesichtsfarbe und scharf blickende braune Augen; das weiße Haar puderte sie sogar ein klein wenig, um da und dort eine noch dunkle Locke zu verbergen. In den kleinen wohlgeformten Händen hielt sie ein Papiermesser, mit welchem sie spielte, während sie der Aufzählung jener namhaften Beträge lauschte, die ihr »Wohltätigkeits-Minister«, wie sie Herrn Eliphas Clément zu nennen pflegte, in ihrem Namen verausgaben wollte; zuweilen neigte sie zustimmend das Haupt. Ihr Bevollmächtigter, eine hagere, etwas vornübergebeugte Gestalt, mit einem sanften, ein klein wenig leidenden Gesichtsausdruck, erstattete mit dumpfer, etwas verschleierter Stimme genauen Bericht von den zahlreichen Wohltätigkeitsanstalten und Gesuchen, welche, nachdem er eingehende Erkundigungen eingezogen, berücksichtigt werden sollten, oder zum Teile auch schon berücksichtigt worden waren. Zuweilen wies

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