Wolf Silber von Silberstein
Im Jahre eintausendfünfzigunddrei nach der wundersamen Niederkunft der Jungfrau ritt ich, Wolf Ulstadt, über die Moldau und stellte in der deutschen Herberg im Wyschegrad mein gelbes Roß ein, das frisch und willig mich ins Böheimland getragen. In selber Herberg traf ich einen Herrn Ott, in dem schlesischen Ort Landeshut behaust, der zählte gleich mir achtzehn Jahre und war offenen, frohen Gemütes, so daß er mir bald angenehm und freund war und ich ihm stracks erzählte, daß mein herzlieber Vater zu Aachen unter einem grauen Stein schlafe und das beträchtliche Erbe an Geld und Wald meinem älteren Bruder zugefallen sei, ich aber nach weiten Reisen mir in Böheim ein sicheres Brot suchen wolle, am liebsten in einer Schreibstube, da ich wohlbelesen und gelehrt und einer geschwinden, klaren Schrift fähig sei. Dagegen meinte Herr Ott, sein Blut sei viel zu rastlos und dulde es nicht, daß er behaglich sein Lebtag mit Feder und Tintenhorn schalte, seine Lust sei vielmehr, die Felsen aufzureißen und in ihre Abgründe nach Erz zu spähen, und darum befleißige er sich in dem nahen Städtchen Eule des Bergwesens, wisse aber ein edles Gebirg, trächtig an Silber, zwischen den Orten Trautenau und Landeshut gelegen, dort wolle er einmal das funkelnde Mark ausbeuten und ein gewaltiger Bergherr werden. Mir aber riet er, ich möge flugs des böhmischen Herzogs Gemahlin Jutta, die als deutsche