Erster Teil
Was am Tage vor der Hochzeit im Vatikan vor sich gegangen war, hat man nie genau erfahren können. Franzi erfuhr nur soviel, daß sich zur selben Zeit Calm-Podoski, ein Verwandter der Familie Wittgenstein, in Rom aufgehalten hatte. Dieser Calm-Podoski hatte einen erwachsenen Sohn, der sich planlos auf den Straßen herumtrieb, bei der Kirche San Carlo di Corso vorbeikam, dort die großen Vorbereitungen sah und aus Neugierde die Arbeiter fragte, was da stattfinden solle. Die Arbeiter gaben ihm auch Auskunft über die am anderen Tage stattfindende Hochzeit. Der Junge eilte nach Hause, worauf Calm-Podoski sich mit einem anderen Verwandten der Fürstin, Odescalchi, in Verbindung setzte. Sie sprachen gemeinsam beim Kardinal Catarani vor und machten ihm die Hölle heiß, daß hier ein Attentat gegen die Heiligkeit der Ehe vollführt werden sollte. Die Fürstin Carolyne hätte die Kardinalskonferenz irre geführt, die Annullierung entbehre jedes wahren Grundes. Wie dann der Kardinal Catarani den Kardinal Antonelli zu überzeugen vermochte, und wie diese beiden Kardinäle es fertigbrachten, daß der Papst seinen Entschluß auf eine so ungewöhnliche Art, und zwar noch am selben Abend, widerrief, – das blieb zeitlebens ein Rätsel. Um diese Einzelheiten kümmerte sich aber Carolyne überhaupt nicht mehr. Ihre krankhafte religiöse Schwärmerei war in einen abergläubischen religiösen Wahn übergegangen. Sie war