Chapter

Der Papst und der Gelehrte

Er pflegte jeden Brief aufzuheben, und wenn er auch noch so unbedeutend schien. Er liebte es, die alten Briefe immer wieder einmal zu sichten, einzelne Stellen nochmals zu lesen und sie dann in die für sie bestimmte Mappe zurückzulegen. Jetzt suchte er sich die Briefe hervor, die der neue Papst Urban VIII. an ihn gerichtet hatte, als er noch Kardinal Barberini war. Alle zeugten sie von wärmster Anerkennung. Auch jener Brief war darunter, mit dem ihm der Kardinal seinerzeit das ihn verherrlichende Gedicht gesandt hatte. »Die Achtung, welche ich stets für Eure Person und Eure vielen Verdienste gehegt, hat den Anlaß zu der beigeschlossenen Dichtung gegeben. Wenn auch dieselbe, Eurer nicht würdig ist, so mag sie Euch mindestens ein Beweis meiner Zuneigung sein, indem ich meiner Poesie durch Euren berühmten Namen Glanz zu verleihen beabsichtige. Ohne mich also in fernere Entschuldigungen zu verlieren, die ich dem Vertrauen, das ich in Euch setze, anheimstelle, bitte ich Euch, diesen geringen Beweis meiner großen Geneigtheit entgegennehmen zu wollen. Von Herzen grüßend, erbitte ich von Gott allen seinen Segen für Euch.« Auch jetzt errötete er noch vor Freude, als er diese Zeilen las. Gab es denn noch einen Gelehrten, an den der erste Herrscher der Welt solch einen Brief richten würde? Dieser Brief und die Ode waren kein Geheimnis, ganz Florenz wußte davon. Sein Ansehen wuchs um das

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