... und hätte der Liebe nicht
Es ist etwas Sonderbares um die Erinnerung. Sie kommt und ist da und stellt alte Zeiten vor Deine Seele; längst vergangene, liebe Gestalten treten vor Dein Auge, und Du siehst Orte, die fern, fern liegen und hörst Töne, die lange verklungen sind, noch einmal. Und es wird Dir warm ums Herz, und Du wunderst Dich, wie es Dir gerade heute kam. Und Du merkst: es ist ein Rüchlein von Goldlack und von Reseda an Dir vorbeigestrichen, das hat Dir den sonnigen Garten heraufgerufen, in dem Du als Kind gespielt hast. Es hat die liebe alte Frau, die Dein Geplauder so herzlich anhörte, auf den buchsbaumgefaßten Steigen zu Dir herkommen lassen, und Du hast ihre Hand auf Deinem Kinderhaupt gefühlt und bist ein Weilchen zu Hause gewesen. Oder Du hast in der großen Stadt, in allem Lärm des Marktes, ein Obstweib Stachelbeeren verkaufen sehen, und nun redet Dein Begleiter umsonst auf Dich ein, denn Du siehst Dich mit den Geschwistern, fast unter Lebensgefahr, an den alten Stadtmauern in Deiner Heimat herumklettern, um die kleinen, grüngelben Beeren, die dort wild wachsen, zu holen. Du siehst Dich wieder das Kleid dabei zerreißen, es war schwarz und weiß kariert, und siehst alle die erschreckten Gesichter um Dich herum, auch das der alten Nähkarline, die gerade des Weges kam, und hörst ihr altes Sprüchlein, daß die Jugend zu ihrer Zeit anders gewesen sei. Aus einem Flöckchen rosa Seide, aus einem