Erster Band
Es war um die neunte Abendstunde eines dunklen Aprilabends des Jahres 1866. Eine berliner Droschke fuhr in dem, diesen Kommunikationsmitteln eigenthümlichen Trab die Wilhelmsstraße herauf und hielt vor dem breiten durch zwei Gaslampen hell erleuchteten Thor des Hauses Nr. 76, des Ministeriums der auswärtigen Angelegenheiten. Das Erdgeschoß dieses langgedehnten zweistöckigen Hauses war hell erleuchtet und man sah, wenn man scharf durch die grünen Vorsätze der Fenster blickte, in mehrere Bureauzimmer hinein, welche trotz der vorgerückten Abendstunde von eifrig arbeitenden Beamten erfüllt waren. Die Fenster des ersten Stocks zeigten theilweise eine matte Erleuchtung. Aus der Droschke, welche vor diesem Hause hielt, stieg ein Mann von Mittelgröße, in dunklem Paletot und schwarzem Hut, näherte sich der Gaslampe, um in seinem Portemonnaie die zur Bezahlung der Droschke nöthige Münze zu finden, und läutete, nachdem er seine Rechnung mit dem numerirten Automedon ausgeglichen, stark an der neben dem Thor befindlichen Glocke. Fast unmittelbar darauf öffnete sich dieß Thor und der Einlaßbegehrende trat in eine breite Einfahrt, an deren Ende sich zwischen zwei mächtigen ruhenden Löwen die Aufgangstreppe in das Innere des Hauses befindet. An der Seite der Einfahrt über Manneshöhe öffnete sich ein in die Portierloge führendes Fenster und an demselben erschien der Kopf des Portiers mit der