Um Freiheit und Leben
Das Haus des Bauern Gérard war das einzige im Dorf Semilly, das man von der Straße aus kaum bemerkte. Alte Lindenbäume standen wie ernste Riesen davor, die Wache hielten. Die nüchterne Fassade hatte, wie alle französischen Bauernhäuser, keine Fenster nach der Straße, der Fenstersteuer wegen. Fenster waren nur an der Hinterfront, die auf den geräumigen Hof mit seinen Ställen und der Scheune ging. Rechts lehnte sich eine hohe Mauer ans Haus, mit einem großen Tor, das sich nur für Pferd und Wagen auftat. Wer ins Haus wollte, mußte die Tür an der linken Hausseite benutzen, einen anderen Zugang gab's von der Straße nicht. Hier bildete dichtes, hügelartig aufstrebendes Strauchwerk eine den Dachfirst überragende Grenzmauer. Der große Hof war, im Gegensatz zu andern Bauernhöfen, sauber gehalten, trotz dem unvermeidlichen Misthaufen, den man, seit Marie-Anne Gérard wieder im Hause war, dicht bei den Ställen placiert hatte. Den vorderen Teil des Hofes hatte dann ihre Geschicklichkeit in einen kleinen Blumengarten umgewandelt, der sich von den wildaufstrebenden Büschen bis unter die Fenster des Hauses ausbreitete. Marie-Anne stand an einem heißen Septembertag hoch oben, inmitten der Sträucher. Nur ihr schöner Kopf, aus dem ein paar prachtvoll-dunkle Augen ernst in die Welt blickten, war im Goldglanz der Sonne zu sehen. Hummeln umschwirrten sie und bunte Falter. Sie schien sie nicht zu