Chapter

Um eine Kleinigkeit

Novelle von Jassy Torrund. Franzel Wodrich sitzt am Fenster ihres elegant und behaglich eingerichteten Wohnzimmers, atmet den süß berauschenden Duft blühender Hyazinthen, die vor ihr auf dem Fensterbrett stehen, schaut in das prächtige Schneetreiben jenseit der hohen, klaren Glasscheiben hinaus – und sinnt und grübelt, zermartert ihr junges Hirn in schwerer Bedrängnis. Wie glücklich könnte sie sein – und wie elend ist sie! Seit Wochen schon! Und der Platz, wo sie auch in diesem Kummer Rat und Trost und Hilfe finden könnte, ist ihr genommen. Ihr Gatte ahnt nichts von all der Pein, die ihre Seele quält, die wie ein Alpdruck auf ihr lastet, ihr den Frieden des Tages und die Ruhe der Nächte raubt. Er darf und soll es auch nie erfahren – bis alles überstanden sein wird! So sitzt sie nun schon seit Stunden, starrt auf den wehenden Schnee, als müsse sie jede einzelne Flocke zählen, und denkt doch nicht an den Schnee und nicht an den köstlichen Hyazinthenduft. Sie denkt an nichts, an gar nichts anderes, als daß sie in wenigen Wochen wie eine Verbrecherin auf der Anklagebank sitzen soll, den unerbittlichen Fragen der Richter, den staunenden neugierigen zudringlichen Augen des Publikums preisgegeben. O guter Gott! Das junge Weib zittert am ganzen Leibe, faltet die Hände krampfhaft zusammen und seufzt aus tiefstem Herzen. Wie ist das alles doch nur gekommen? Ach, wie soviel hundert

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