I.
Den Geburtstag des Bürgermeisters feierten Amtsrichter Dr. Fritz Haldenwang und Frau Antoinette mit einem Frühstück. Es war ein Sonntag im September. Die kleine Schar der Gäste saß im vollen Sonnenschein, der durch die Fenster der Veranda hereinkam und alle weinheißen Gesichter etwas zu rücksichtslos beleuchtete. Man hatte gut gegessen und getrunken. Seit Bürgermeister Mandach mit imposanter Majestät und doch auch mit schmunzelndem Wohlwollen hier als Stadtvater wirkte, war in dem engeren Kreis, dem er gleich wie von selbst vorsaß, ein lebemännischer Ton aufgekommen. Wie lange der Bürgermeister sich in dem Amt behaupten würde, darauf war er selbst objektiv neugierig. Im allgemeinen war er nicht gut mit sich umgegangen. Er sagte es selbst, teils aus wirklicher Erkenntnis, teils aus einer gewissen grandiosen Art heraus, die sich lieber selbst scharf kritisiert, als daß sie die scharfe Kritik anderer abwartet. Im Grunde genommen fiel es aber niemandem ein, ihn scharf zu beurteilen. Er trug ja seine eigene Haut zu Markte. Und selbst die alten Freunde, die wohl hier und da einige Schulden für ihn bezahlt hatten, rechneten ihm ihre Großmut nicht an, was doch gewiß bedeutsam war. Erst hatte er ein paar Semester studiert, und von jener Zeit her stammte seine Freundschaft mit Amtsrichter Dr. Haldenwang. Sie waren beide Rhenanen und hatten in Freiburg unvergeßliche Zeiten zusammen