Kapitel I
Die Sonne stand schon hoch am Horizont, als der russische Offizier, von den Stimmen vieler Menschen, dem Schnauben der Pferde und dem Klang von Waffen und einzelnen Schüssen erweckt, von dem harten Lager sprang und an das Fenster eilte. Ein bunt bewegtes, aber offenbar kein Gefahr drohendes Bild zeigte sich seinen Augen. Das Plateau unter den Kastanien, das sein Blick von dem kleinen Fenster aus übersah, war gefüllt mit Menschen: Reitern und Fußgängern, und den Abhang des Berges herauf stiegen noch immer neue Ankömmlinge, lebhaft begrüßt von den Anwesenden. Es waren ersichtlich meist Krieger, begleitet von ihren Dienern und Freunden, Krieger verschiedener Nationalitäten oder wenigstens von verschiedenem Stamm und verschiedenem Stand, unter ihnen aber bewegten sich auch Mönche und Popen in ihren weiten Talaren und zwei oder drei Männer in abendländischer Kleidung. Die meisten trugen freilich die unkleidsame schwerfällige Tracht der Rajahs der Herzegowina mit den plumpen doppelten Beinkleidern, aber es fehlte auch nicht an der rauhen Struka und der silbernen Feder der Bewohner der schwarzen Berge, der roten goldgestickten offenen Weste über der weißwollenen Bluse. Selbst der Abos, der Mantel von Ziegenhaaren, der schmutzige, einst weiße hundertfältige Phistan des Buren, die schwarzwollene Kepe und die Flokita, das ärmellose Unterkleid waren vertreten. Auffallend war dem