Die Entführung eines Kindes
In einem der ersten Vergnügungslokale Londons produzierte sich seit einiger Zeit ein indischer Zauberkünstler, der sich Timur, der König der Gaukler, nannte. Seine Leistungen waren großartige; das Theater war infolge dessen jeden Abend gedrängt voll, und selbst die teuersten Plätze waren nur mit vieler Mühe zu bekommen. Reiche Leute zogen es deshalb vor, sich gelegentlich eine Vorstellung in ihrer Wohnung geben zu lassen — eine zwar kostspielige, aber bequeme Art, den fingergewandten Indier ganz in der Nähe bewundern zu können. Für heute abend war Timur zu Sir Frank Carter, einem englischen Baronet, eingeladen. Er hatte für eine Stunde zugesagt und für diese kurze Vorstellung fünfzig Pfund Sterling (Tausend Mark) verlangt, welche Summe ihm sofort übermittelt wurde. Außerdem machte Sir Carter noch zur Bedingung, daß der Gaukler die Giftschlangen, mit denen er auf der Bühne viele Kunststücke machte, nicht mitbrächte, und Timur hatte ihm dies versprochen. Im Hause Sir Carters war eine kleine Gesellschaft versammelt, meist aus älteren und jüngeren Offizieren und deren Familienangehörigen bestehend. Sir Frank Carter selbst war Kapitän (Hauptmann) der englischen Armee, ein sehr hoher Rang für den erst fünfundzwanzig Jahre alten Mann. Doch er hatte ihn nicht seinem Adelstitel zu verdanken, sondern allein seinen Leistungen in Indien. Er war zum Offizier geschaffen; seine Taten hatten