Erster Teil
Euch armen Mädchen widme ich dies Buch Frau Geheimrat Reinhart an Aenne Hoffmann. Wertes Fräulein! Ich habe bisher stillschweigend die Beziehungen zwischen Ihnen und meinem Sohne geduldet. Indessen scheint es mir jetzt, wo mit bestandenem Referendarexamen die Studentenzeit hinter ihm liegt, – deren Freiheiten und Torheiten ich mehr wohl als sonst eine Mutter Rechnung getragen habe – an der Zeit, dass Sie sich trennen. Aus eben diesem Grunde habe ich meinen Sohn gebeten, auf die in solchem Fall übliche Aussprache – die sogenannte letzte Begegnung – zu verzichten. Und zwar in Ihrem Namen. Ich durfte das, da ich weiss, dass wir uns in dem Wunsche, ihm einen notwendigen Schritt nicht unnütz zu erschweren, begegnen. Mit gleicher Post sende ich Ihnen einen Scheck über zehntausend Mark. – Wenn Sie früher oder später einmal vor eine für Ihr Leben wichtige Entscheidung gestellt sind: möglich, dass dieser Rückhalt Ihnen dann erlaubt, neben Ihrer Vernunft auch Ihr Herz zu befragen. Und gern will ich wünschen, dass Sie dann das Richtige treffen. Mit bester Begrüssung Frau Geheimrat Julie Reinhart. Aenne Hoffmann an Frau Geheimrat Reinhart. Gnädige Frau! Sie reissen mich aus allen Himmeln. Ich erhalte eben während meiner Tischzeit Ihre Zeilen, die alles in mir durcheinanderwerfen. Ich bin ganz ratlos, hilflos, verzweifelt. Ich weiss ja nichts, ich verstehe ja nichts; aber ich fühle, dass