Erstes Kapitel
»Jetzt kann es los gehen,« dachte der Maler Julius Decaro und öffnete weit seine Türen. Er hatte endlich ein Bild, der »Morgen« betitelt, vorteilhaft verkauft und sich mit den vielen für das Bild gelösten Goldstücken ein schönes Atelier, ein menschenwürdiges Dasein geschaffen. Nun mußten die Aufträge aus den ersten Kreisen der Gesellschaft, mußte der Ruhm bei ihm Einkehr halten. Doch vorerst kamen nur die alten Freunde, welche sich wirklich recht alt und grau ausnahmen in den neuen Räumen – dann allmählich erst neue Freunde – die ersten Masken. Doch die »erste Gesellschaft« ließ noch auf sich warten. Er machte sich also auf die Suche mit dem festen Entschlusse, nur mit der edelsten Beute heimzukehren. Alle Türen öffneten sich ihm, viel schöne Augenpaare winkten ihm verheißungsvoll zu, die Fülle der Wahl machte ihn immer wählerischer, und noch war ihm sein Ideal nicht begegnet. Im ersten Stock seines Hauses wohnte eine Beamtenfamilie in bescheidenen Verhältnissen. Die Frau Rätin Martius war eine große Kunstfreundin und zog Julius mit dem Aufgebot all ihrer Liebenswürdigkeit in ihr Haus. Was sollte er dort bei den trockenen Bureaukraten? Die Schmeicheleien der Rätin konnten ihn doch nicht über die verlorenen Abende hinwegtrösten, und das schöne Röschen, von dem die Mutter ihm vorschwärmte, nützte nichts, es war noch ein Kind, in einer auswärtigen Erziehungsanstalt und, abgesehen