Über Ludwig Steub
Es ist eigentlich überflüssig, dieser authentischen Lebensbeschreibung eine Kritik oder Charakteristik des Schriftstellers beizufügen; denn diese Beschreibung hat Jedem, der sie soeben zu Ende gelesen, die eigenartige Anmuth des Stiles ihres Helden und Verfassers so angenehm vor Augen gestellt, daß deren Analyse durch einen Andern unnöthig erscheint. – Die Veröffentlichungen Steubs gliedern sich in drei Gruppen: I. Hellenica. II. Die gelehrten Arbeiten (über tirolische und bayerische Sprach- und Culturgeschichte). III. Belletristik. Was die Hellenica betrifft, freuen wir uns, den ehrenreichen Herren Hermann Lingg und Hyacinth Holland darin »über« zu sein, daß wir diese nach Inhalt und Form gleich anziehenden Schilderungen von Land und Leuten in Neu-Hellas schon seit einem Vierteljahrhundert kennen und hochschätzen. In der That: » ex ungue Leonem«. Oder, hier richtiger gesagt: »in der Knospe liegt bereits die Frucht.« Diese frühesten Schilderungen bekunden bereits die individuellen Züge des Verfassers in starker Ausprägung: vor Allem ein vortrefflich gefüllter und in seinem Reichthum nie verwirrter, vielmehr stets säuberlich geordneter » Schulsack«, d. h. seltene Beschlagenheit in griechischer und lateinischer Sprache, Grammatik, Literaturgeschichte, Geographie, – ein Vorzug, den wir noch wiederholt hervorzuheben haben; und den derjenige am Höchsten anschlägt, welcher den