Erster Abschnitt
Jedes gebildete Volk hat seine fabelhafte und heroische Zeit gehabt, aus welcher seine spätern Dichter den Stoff zu wundervollen Gesängen, Erzählungen und Schauspielen hergenommen haben; eine Zeit von Halbgöttern, Riesen und Helden, gegen welche wir arme Wichtchen der historischen Zeit eine so demüthige Figur machen, daß wir (um so bald als möglich aus der Verlegenheit zu kommen) uns nicht besser zu helfen wissen, als die ganze Geschichte dieser Wundermenschen für Mährchen zu erklären. Gleichwohl finden sich auf der andern Seite starke Gründe, zu glauben, daß diese Heroen jeder Nation einmal wirklich da waren, wirklich große Menschen waren und Dinge thaten, die wir – weil sie über unsre Kräfte gehen – erstaunlich finden, wiewohl sie ihnen selbst sehr natürlich vorkamen; ja, daß sie in der That noch weit größer, als wohl die meisten spätern Dichter und Romanschreiber in ihrem höchsten Taumel sich einbilden konnten, – und mit Allem dem doch – weder Götter noch Halbgötter, sondern blose Menschen waren, wie wir zu ihrer Zeit und in ihren Umständen ohne Zweifel auch gewesen wären. Das ganze Geheimniß liegt darin, daß sie noch unzerdrückte und ungekünstelte, noch gesunde, ungeschwächte, ganze Menschen waren. Wo die Natur noch frei und ungestört wirken kann, da macht sie keine andre als solche: und wenn für jedes policirte und verfeinerte Volk einmal eine Zeit gewesen ist, wo es noch