Uber 1. Mose 6, 1
1 „Und als nun die Menschen anfingen, zahlreich zu werden auf der Erde, und ihnen Töchter geboren wurden“ (1 Mos. 6, 1). Man muß, meine ich, die Frage aufwerfen, warum nach der Geburt Noahs und seiner Söhne unser Geschlecht zur Menschenüberfülle anwächst. Es dürfte jedoch nicht schwierig sein, die Ursache anzugeben. Immer nämlich, wenn das Seltene aufgetreten ist, wird sein Gegenteil sehr zahlreich gefunden. So zeigt die Wohlgeratenheit eines Einzelnen die Mißratenheit vieler,[1] und das Kunstvolle, Verständige, Gute und Schöne bringt, obgleich es nur in geringer Menge auftritt, doch die ganze unendlich große, verborgene Masse des Kunstlosen, Unverständigen, Ungerechten und überhaupt Schlechten ans Licht. Siehst du nicht, daß auch in dem All die Sonne, obgleich sie nur eine ist, die tausendfache und tiefe über Erde und Meer ausgegossene Finsternis erleuchtet und zerstreut? Ebenso erweist auch die Geburt des gerechten Noah und seiner Söhne die (Existenz der) vielen Ungerechten; denn durch den Gegensatz wird das Gegensätzliche am besten erkannt. Kein Ungerechter aber zeugt in der Seele überhaupt eine männliche Geburt, sondern es bringen Weibliches hervor die von Natur Unmännlichen, Entkräfteten und in ihren Gedanken Weibischen und pflanzen keinen Baum der Tugend,[2] dessen Früchte notwendig schön und edel werden müssen, sondern lauter Bäume der Schlechtigkeit und Leidenschaften,