Vorwort des Herausgebers
Ueber den freien Gebrauch der Vernunft in Glaubenssachen sammt einer Beilage. 1788. Nimirum Sapere est abjectis utile nugis. (Aus der Gruber'schen Ausgabe von 1821 aufgenommen.)Wenn Wieland bei dem neuen Abdruck dieser Abhandlung im Jahr 1797 den Leser bittet, nicht außer Acht zu lassen, daß der größte Theil derselben im Jahr 1787 geschrieben sey, so muß dieß bei einem wiederholten Abdruck im Jahr 1821 mancherlei Betrachtungen veranlassen: denn wem kann es gleichgültig seyn, ob die, wahrscheinlich durch französische Bulletins so beliebt gewordenen retrograden Bewegungen auch in diesem Punkte Freunde gefunden haben? Theologen und Aerzte, Philosophen und Aesthetiker wetteiferten mit einander, uns in die angenehmen Schatten der Vorwelt zurückzuführen, und wir wissen Alle, daß es Vielen mit der Vernunft erging, wie den Kindern, die den ausgehenden Vater quälen, daß er sie mitnehme, anfangs vor Freuden voraus springen, allmählich zurückbleiben, nun alle Augenblicke fragen, ob sie nicht bald an Ort und Stelle sind, und endlich auf halbem Wege weinend bitten, sie wieder zur Mutter zurückzubringen. Andern, schon Erwachsenen, ging es wie Petern in der Fremde, von welchem der wackere Meister Grübel erzählt. Er war so weit gegangen, bis er an eine Stelle kam, wo sich der Weg schied, und da er nun nicht wußte, ob rechts oder links, und ihm dabei bedenklich vorkam, daß es zwar jetzt noch