Chapter

Turgenjew

In Iwan Turgenjews Erzählung »Das adlige Nest« fährt ein russischer Edelmann nach langem Aufenthalt in der Fremde wieder der Heimat zu; da blickt er von seinem Tarantaß auf die Striche Ackerlandes, die fächerartig vorüberzuziehen scheinen, auf die Weidenbüsche, auf die aufgescheuchten Raben und Krähen, auf die langen Gräben, in denen Wermut, Ebereschen und Beifuß wachsen, – und der Anblick dieser frischen, fruchtbaren Steppe, der langgestreckten grünen Hügel, der mit niederem Eichenholz bewachsenen Schluchten, der grauen Dörfer und der hellschimmernden Birkenhaine weckt in seiner Seele süße und zugleich traurige Erinnerungen – er muß seiner Kindheit gedenken. Wie auf einer Radierung zeichnet hier der Dichter fein und scharf die Linien der russischen Flachlandschaft und tönt sie mit dem zarten Hauch des Heimwehs. An einer anderen Stelle faßt er mit dem Auge des niederländischen Malers behaglicher die Landschaft auf, und sie belebt sich ihm mit dem bunten Treiben einer reichen Staffage … Zehn Werst haben wir auf den Feldwegen zurückgelegt, dann kommen wir auf die Landstraße. Vorüber an Fuhrwerken und an Posthäusern mit dampfendem Samovar unter dem Vordach und vorbei an weit offenstehenden Türen und an Brunnen – von einem Dorfe zum anderen über unabsehbare Felder, an grünen Hanfgärten entlang – weit, weithin geht es. Raben fliegen um die Goldregenbüsche; Weiber mit langen Rechen

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