Chapter

Triptychon des Teufels

In O., einer kleinen Stadt am Rhein, trug sich im Jahre 1920, während der französischen Besatzung, folgendes Begebnis zu: Eine junge Wirtsfrau, nachts in den Kissen sitzend, weil sie hochschwanger und daher beim Atmen behindert war, glaubte plötzlich entferntes Trommeln zu hören, das, je nach der Richtung des Windes, sich bald zu nähern, bald zu entfernen schien. Einen Herzschlag lang erschrocken, wie es natürlich ist, wenn die Nacht sich fremder Laute bedient, entsann sie sich gleich danach, daß für die nächste Zeit wieder Einquartierung angesagt und schon vor Tagen auf die Häuser verteilt worden war: »Hommes«, »Chevaux« und »Officiers«, bedeutungsvolle Worte für die Einwohner des grauen Städtchens, leuchteten, noch ehe die Träger derselben leibhaftig eingerückt waren, von den meisten Türen herunter und trugen eine Kreideziffer davor, deren Höhe sich nach den Räumlichkeiten und dem Besitzstand des Eigentümers richtete und leicht hätte verwischt oder geändert werden können, wenn nicht der Umkreis des Schreckens größer gewesen wäre als die sichtbare Reichweite seines Arms. Gleichsam zur Rechenschaft aufgefordert, überdachte die Wirtin noch einmal alle Vorbereitungen in Küche, Keller und Kammern, die halb dazu gedient hatten, die ungebetenen Gäste würdig zu empfangen, halb jener Übung von alters her gefolgt waren, Wertvolles zu verbergen, obwohl man aus vorangegangenen Wochen

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