Tränen um Modesta Zamboni
Er hieß eigentlich Wilhelm Schmidt, nannte sich aber Robert Ludwig Schmidt, ja sogar später nur Robert Ludwig. Nicht, daß er eine Verachtung für den ehrlichen Beruf hatte, dem sein Name entstammte, sondern weil Robert Ludwig doch etwas weniger gleichgültig klang als Herr Schmidt oder selbst Herr Doktor Schmidt. Man kann nun annehmen, daß Robert Ludwig Lyriker gewesen wäre, doch diese Annahme entspräche nicht der Wirklichkeit. Im Gegenteil, er hatte die lyrische Periode seines Daseins schon seit bald zehn Jahren ohne jeden Rückfall überwunden. Er war mit seinem schütteren Vollbart ein etwas schwerfälliger, rötlichblonder, sommersprossiger Mann an die Dreißig, von recht gefälligem Äußern, verträumt, dabei aber von ausgezeichneten Manieren. Und wenn er sich ungern daran erinnerte, daß sein Vater irgendwo im Magdeburgischen Volksschullehrer gewesen war und daß er noch sieben Geschwister hatte, einen Gerichtsanwärter, wiederum einen Volksschullehrer, einen Bäckergesellen, die Frau eines Lokomotivführers, eine Weißnäherin, eine Verpackerin bei Konrad Tack in Burg bei Magdeburg – während wir von der siebten, die in Hamburg lebte (ob noch?), gar nicht reden oder besser schweigen wollen –, so erinnerte ihn ja auch eigentlich niemand mehr daran. Man wird gewiß schon erraten haben, daß Doktor Robert Ludwig (Schmidt) Kunsthistoriker war und über die Vorbilder von Israel von Meckenem mit