Goethe in Borytschew
Berl Weinstein hatte sich wieder einmal taufen lassen, und diesmal mit besonderem Erfolg. Alles in allem hatte er dabei wohl an die 800 Mark erübrigt. Die Spesen waren diesmal ziemlich gering gewesen. Von Amsterdam aus, das auf seiner Tour lag, hatte er den Abstecher nach London gemacht; er hatte fast drei Wochen dazu verwendet, das Inkasso auf Konto Wohltätigkeit in allen jüdischen Vierteln zu erledigen und sich erst dann bei dem großen Meeting der Missionsgesellschaft in Whitechapel gezeigt: er hatte eine Reihe von Arbeitern im Weinberge des Herrn auf lange hinaus innerlich beglückt, — er hatte einem hitzköpfigen, sehr starken Tee und sehr wässerige Reden bietenden jungen Geistlichen den Triumph seines ersten Bekehrungserfolges verschafft, — er hatte, ein Bild ernster Rührung und friedvoller Selbsteinkehr, in der kleinen Kapelle der Gesellschaft den Taufakt über sich ergehen lassen, — er hatte demütig, doch mit dem Ausdruck innerer Entschlossenheit, offensichtlich unfähig, den Gefühlen, die ihn erfüllten, Worte zu verleihen, seinen Gönnern und Paten die Hand gepreßt, in ihnen das beglückende Gefühl erweckend, daß sein künftiges, dem Himmel geweihtes Leben von dem Bewußtsein unauslöschlicher Dankbarkeit und unabtragbarer Schuld erfüllt und bedrückt sein würde, — er hatte eine herrliche, reichlich mit Bibelzitaten geschmückte Missionsschrift in klassischem Hebräisch verfaßt,