Chapter

Toggenburg

Um die zehnte Morgenstunde war Gustav Wöhringen in übelster Laune erwacht. Die verdrießliche Stimmung hatte ihn auch nicht verlassen, während er sich sehr langsam angekleidet hatte. Mit schwerem und wüstem Kopf hatte er sich an den Frühstückstisch gesetzt und ohne rechten Appetit seinen Tee getrunken. Er war wieder einmal, wie in den letzten Monaten fast ohne Ausnahme, zwischen drei und vier Uhr zu Bett gegangen; er hatte wieder einmal im Klub gespielt, und diesmal besonders unglücklich. Er hatte eine verhältnismäßig sehr starke Summe verloren, deren sofortige Zahlung ihn in augenblickliche Verlegenheit brachte. Es war ihm peinlich, deshalb an seinen Bankier, der früher sein Vormund gewesen war, zu schreiben; und obgleich er keinem Menschen über seine Ausgaben Rechenschaft schuldete, sann er doch über eine Notlüge nach, um seine Forderung zu rechtfertigen. Alles das ging ihm durch den Kopf. Er war mit sich und der ganzen Welt zerfallen. Er hatte schon oft in ähnlichen Stimmungen den guten Vorsatz gefaßt, seinem zwecklosen Leben eine andere Richtung zu geben; aber niemals war es ihm ernsthafter gewesen als in dieser unbehaglichen Stunde, da er mit übergeschlagenen Beinen am Frühstückstische saß und, nervös mit hastigen Fingern die Enden seines starken strohblonden Schnurrbarts zu kühnen Spitzen drehend, zum Fenster hinausstarrte. Er suchte zu seinen Gunsten alle möglichen

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