Der Erste Hinweis
Der Anruf kam um drei Uhr morgens, und Kommissarin Vera Lenz wusste sofort, dass es kein gewöhnlicher Fall werden würde. Die Stimme am Telefon klang gepresst, fast flüsternd, als fürchte der Anrufer, belauscht zu werden. Ein Toter im alten Hafenviertel, sagte er, und dann war die Leitung tot.
Als Vera am Tatort eintraf, lag der Mann in einer Blutlache zwischen verrosteten Containern. Sein Anzug war teuer, die Schuhe handgefertigt — kein Obdachloser, kein Kleinganove. In seiner Brusttasche fand sie eine Visitenkarte, die den Namen eines stadtbekannten Unternehmers trug. Die Karte war makellos, als hätte man sie dort hingelegt, damit sie gefunden würde.
Der Gerichtsmediziner schätzte den Todeszeitpunkt auf kurz nach Mitternacht. Drei Stunden, in denen dieser Mann hier gelegen hatte, während die Stadt schlief. Vera fotografierte die Szene, machte sich Notizen und versuchte, das nagende Gefühl zu ignorieren, dass jemand wollte, dass sie genau diesen Mann fand — und dass die eigentliche Frage nicht war, wer ihn getötet hatte, sondern warum man sie zu ihm geführt hatte.