Tobias Guarnerius
An einem nebligen Winterabend ging mein Urgroßvater, der in Bremen irgendwelcher Geschäftehalber sich aufhalten mußte, in einer kleinen Gasse hinter der Kathedrale auf und ab. was er da tat, werden Sie verstehen, wenn ich Ihnen sage, daß er damals zwanzig Jahre alt war und daß es wenige Städte in Deutschland gibt, wo die Grisetten anmutsvoller und herausfordernder sind. Das sage ich, ohne im Geringsten der guten Meinung, die Sie vielleicht von seinen Verdiensten gewonnen haben, schaden zu wollen. Aber es waren schon zwanzig Minuten verstrichen, seitdem die Stunde des Stelldicheins auf allen Uhren geschlagen hatte, ohne daß die Erwartete daran gedacht hätte, zu kommen, und mein Urgroßvater harrte immer noch. Die Volksvertretung hat uns leider zu gut geheilt von dieser wunderbaren Geduld in der Liebe, und ich möchte den Mann sehen, den man heute noch ihrer fähig fände. Während des langen Auf und Ab seines Postenstehens hatte mein Urgroßvater einen kleinen Laden bemerkt, der an der Ecke der Gasse lag, die er durchmaß. An beiden Seiten der Tür zeigten zwei Bretter, die rötlich gestrichen und in Form von Violinen geschnitten waren, den Handel an, der da betrieben wurde, oder richtiger — der da nicht betrieben wurde, denn abgesehen von einer alten Baßgeige an der Wand, einem Kontrabaß ohne Saiten, einigen Bogen und der Quintgeige, die der Besitzer des Geschäftes gerade reparierte,