Chapter

Die tanzenden Jungfrauen

Ich weiß ein Dörfl. Das liegt in einem breiten Hochtal. Niedrig sind die Häuser des Dörfels, und grau, ernst und behäbig ist der alte Glockenturm. Bedächtig wie ein guter, viel erfahrener Großvater schaut er auf die niedrige altersgraue Kirche herab . . . ein treuer Wächter über dem Dorf und seiner Gemeinde. Das ganze Dorf besteht eigentlich nur aus zwei Reihen Häusern, kleinen, niederen Steinbauten ohne Blumenschmuck, die sich längs der breiten Straße von Norden nach Süden erstrecken. Aber einzelne der Häuser sind schon uralt und teilweise mit alten Fresken geziert. Ein tiefer, fast feierlicher Ernst lagert über der ganzen Gegend, feierlich durch die gewaltige Bergwelt, die sich um das Tal aufbaut. Vom Süden herauf grüßen mächtige Gletscher. Die Felder des Tales heben sich leuchtend ab von dem tiefdunklen Blau des Himmels. Es ist ein recht altmodisches Dörfl. Auch seine Bewohner sind ernst und altmodisch. Und führte nicht die breite Landstraße mitten durch's Dorf, so könnte man wähnen, ins Mittelalter versetzt zu sein. Oberhalb des Dorfes erhebt sich ein steil ansteigender Hügel, auf dem eine zweite Kirche steht, eine kleine Wallfahrtskirche. Sie ist vor alter Zeit zu Ehren der heiligen Mutter Anna, der Mutter der Jungfrau Maria errichtet worden. Leider muß man gestehen, daß nicht allzu viele Wallfahrer den kleinen Hügel hinan pilgern. Die heilige Anna ist die Schutzpatronin

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