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Tiernovellen

1908 »Je mehr ich den Menschen kennen lerne, desto lieber habe ich meinen Hund.« Schopenhauer. Vorwort Tiergeschichten – ein ganzer Band, in dem die handelnden Personen Tiere sind. Erst das zwanzigste Jahrhundert konnte genug Stoff für eine Sammlung bieten, in der die Tiere Geschichten von menschlicher Tragweite erleben. Nicht, daß nicht frühere Zeiten auch ihre Tiergeschichten gehabt hätten. Aber der niederländische Mönch, der den Reinicke Fuchs erdachte, hatte ganz andere Absichten als die Beschreibung der Tiere. Ihm lag es an einer Satire gegen die Kirche, und da er selbst von dieser Kirche lebte, erfand er eine Form, die er jederzeit ableugnen konnte. Dasselbe Ziel, dem Menschen eine Lehre zu geben, indem sie ihm ein wenig schmeichelhaftes Spiegelbild vorhielten, hatten auch die Fabeldichter des siebzehnten und achtzehnten Jahrhunderts. Die Tierseele, wie wir sie zu verstehen glauben, hatte darin nur eine symbolische Bedeutung. Daß einige Tierliebhaber sich rein menschlich oder wie der englische Humorist des achtzehnten Jahrhunderts, Sterne, sentimentalisch mit jenen Wesen abgaben, die man noch weit unter die Sklaven und nicht sehr viel über Baum und Stein rangierte, beweist nichts gegen die allgemeine Anschauung. Pfeffels Biographie eines Pudels und der kleine Abschnitt aus Sternes Tristram Shandy mögen für solche frühen Deutungen der Tierpsyche als Beispiel dienen. Sie

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