Erstes Buch
Einst hieß sie Thora Krohk und wurde meist Thorachen genannt. Jetzt hieß sie Frau Thora Bruce auf Åkerup, war mit dem gestrengen Patron Johan Bruce verheiratet und Mutter zweier Kinder. Sie hatte Haushalt und Dienerschaft, einen Viehhof mit fünfzig Kühen, im Stall zwölf Pferde, Geld und Gut, Untergebene, Nachbarn, Verkehr. Und alles das war für sie ebenso neu wie fremd. Einst war Thora frei und frank durch Feld und Wald geschweift. Jetzt hatte sie von früh bis spät im Haushalt zu tun, beaufsichtigte Milchwirtschaft und Speisekammer, Küche und Keller, stillte, als sie noch klein waren, ihre Kinder, erzog sie, als sie größer wurden, gehorchte ihres Mannes leisestem Wink und demütigte sich unter seinem Zorn. Einst war Thora strahlend froh, glücklich, gut Freund mit jedermann. Jetzt weinte sie oft, schlich still und scheu im Hause herum, und ihr Gesicht zeigte die Blässe der Überanstrengung, die von Tagen voll Arbeit und Nächten voll Sorge kommt. Nie mehr sang sie, nie war ihr Gang mehr leicht und tanzend wie in jungen Tagen. Sie war etwas über zwanzig und sah aus, als wäre sie fünfunddreißig. Nur wenn manchmal ihre Augen mit einem Ausdruck unendlich kindlichen Fragens aufleuchteten, sah man noch, wie jung sie war. Alle, die sie früher gekannt hatten, wußten zu erzählen, ein schöneres Mädchen als Thora habe es überhaupt nicht gegeben. Schlank und fein war sie, und über ihrem