Thomas Thyrnau - Zweiter Theil
Ehe die Grafen Wratislaw auf ihrer Herrschaft Tein das neue Herrenhaus erbauten, war die alte Teinburg nicht viel mehr als ein Obdach für gesellige Mahle oder für ein kurzes Nachtlager, wenn die Besitzer mit ihrem Gefolge und ihren heitern Gästen die großen Forsten zum fröhlichen Weidmannswerke besuchten. Daher kam es darauf an, daß sich ein großer Raum vorfinde, der die oft sehr zahlreichen Gesellschaftszüge, an denen fast immer Frauen Theil nahmen, beim Gelage zu fassen vermochte. Dagegen ward man mit den Nachtlagern leichter fertig; hier fand man oft wunderliche Verschlage ausreichend, weil überhaupt der Ruhe da wenig Antheil ward, wo der erste Strahl des Tages die Jäger hinaus lockte, um dem behaglich den Thau leckenden Wilde auch diese kurze Feierstunde zu schmälern. Als mit den wechselnden Bedürfnissen der Zeit diese einfache Behausung nicht mehr ausreichen wollte, und die Herren und Damen in Seide und Sammet zur Jagd zogen, ließ der reiche Besitzer von Tein das größere Schloß emporsteigen, welches zwischen zwei Flügeln ein schönes Hauptgebäude zeigte. Dem Walde ward rund herum von der Kultur nachgeholfen, und bald sah man ihn zu jenen ernsten majestätischen Gartenanlagen umgeschaffen, die sich mit den Terrassen in Verbindung setzten und von Laubwänden geschützte offene Säle bildeten, in denen Kaskaden und Marmorsitze, von der ganzen Schaar der alten Götterwelt bevölkert,