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Thomas Thyrnau - Erster Theil

In einem Thurmgemache der alten Hofburg zu Wien, welches in großartiger aber einfacher Ausstattung sich der Bewohnerin würdig zeigte, saß um das Jahr 1755 in einer Fensternische die Kaiserin Maria Theresia und las mit Aufmerksamkeit in einem mäßig starken Aktenstücke, welches von dem vor ihr stehenden Arbeitstische genommen schien, auf welchem in großer Ordnung Papiere, Bücher, Karten und Pergamentrollen lagen, die das Arbeitszimmer der hohen Frau erkennen ließen. Sie war in der vollen Reife des mittleren Frauenalters und die Schönheit, die sie auszeichnete, trug den besonders festen und kräftigen Ausdruck eines edlen, gesicherten Selbstgefühls, welches jedem Zuge eine plastische Ruhe und eine Reinheit der Form erhielt, die fast an die Unvergänglichkeit dieser Reize glauben ließ. Die Mode der damaligen Zeit ließ keines der kleinen anmuthigen Mittel zu, womit die Mängel der Form hinter Locken, oder den Vortheilen verschiedenartiger Kopfbedeckungen sich zu verbergen vermögen. Die Kaiserin, wie alle Damen jener Zeit, gab ihr Gesicht von allem Haar entblößt der Anschauung Preis, und die hochgewölbten Haarfrisuren wurden nur gekrönt durch kleine darauf schwebende Aufsätze, verschieden in ihrer Ausstattung nach Rang und Vermögen der Besitzerin. Bei Maria Theresia trat hierdurch die reinste ovale Gesichtsform hervor, die durch die Fülle einer unerschütterlichen Gesundheit stark in den

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