Die Lamprechts in Kiel
In dem gemütlichen Eckzimmer saßen die drei Bewohner der eleganten Etage einträchtiglich wie immer beisammen. Die Nische des Eckzimmers hatten die beiden Damen in Beschlag genommen. Dort konnte man sie nachmittags, wenn sie daheim waren, entweder lesend oder handarbeitend antreffen. Auf dem kleinen, runden Tischchen, das mit einer gestickten Decke überbreitet war, hatten ihre Arbeitskörbchen ihren ständigen Platz. Zu beiden Seiten des Tischchens standen bequeme Rohrsessel. Auch war der Poesie Rechnung getragen. Hohe Palmen und andere Blattgewächse waren geschmackvoll am Eingang gruppiert, so daß das lauschige Eckchen den Eindruck einer Laube machte. Hier also saßen heute wieder Malve und Auguste, während Herr Theodor Lamprecht, auf dem Sofa thronend, schier vergraben hinter seiner Zeitung war. Seiner langen Pfeife entströmten wahre Rauchsäulen. Malve sagte: »Ach, Gustchen, mach' noch mal das Fenster ein bißchen auf.« Und Auguste kam eilfertig dieser Bitte nach. Es war auch wirklich kaum zum Aushalten mit diesem schrecklichen Gepaffe. Eine gute Zigarre, ja, darin waren sich die Damen einig, die ließen sie sich schon gefallen. Aber die entsetzliche Pfeife, die war schon immer so ein wenig Streitobjekt in der Familie gewesen. Namentlich Malve war der viele Rauch ein Dorn im Auge, und sie konnte es sich, bei all ihrer Liebe zu ihrem Bruder, nicht versagen, diesem oftmals Vorwürfe