Chapter

Vorbericht

Die Grabhügel, unter welchen unsere Lieben ruhen, mit Kränzen zu schmücken, durch Denksteine zu ehren, gilt für eine heilige Pflicht. Diese Pflicht an dem Grabe des Freundes meiner Jugend, meines durch Leyer und Schwert verbündeten Waffenbruders zu erfüllen, war mir in früheren Jahren der schmerzliche Vorzug beschieden. Nun hab' ich es im Greisenalter als eine mir beschiedene Gunst dankbar anzuerkennen, daß Geistesgegenwart und Erinnerung mir so treu geblieben sind, um Längstvergangenes in lebendigster Erscheinung mir vor die Seele zu rufen, so daß ich das Leben Theodor Körner's zu schreiben, mit freudiger Zuversicht unternehmen darf. Theodor war nur um einen Tag älter als ich; er ist am 23. Septbr. 1791, ich bin am 24. Septbr. desselben Jahres geboren. Die bisherigen Biographen Körner's waren – mit Ausnahme des Vaters – darauf angewiesen, aus fremden Quellen ihre Nachrichten und Schilderungen zu schöpfen; ich darf es als einen Vorzug geltend machen, daß die Quelle, aus der ich schöpfe, meine eigenen Erlebnisse sind. Die von dem Vater geschriebene Biographie ist nur genügend für die Jahre der Kindheit, des Knabenalters und der ersten Jugend bis dahin, wo er siebenzehn Jahre alt das älterliche Haus verließ und die Bergakademie in Freiberg bezog. – An einen Vater von so anspruchslosem, edlem Charakter wie Körner dürfen wir nicht den Anspruch machen, daß er die Vorzüge und

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