Chapter

1.

Es ist das Jahr 1833 und Sommer. In der Nähe der Stadt Kassel liegen am Eingang eines Dorfes sechs Handwerksburschen. Der eine, ein alter Knabe, meint, in diesem Dorfe sei heute Kirchweih, da müßte man fechten, es gebe »Küchle«. Der Vorschlag wird angenommen. Die Kumpane verteilen unter sich das Dorf, um, jeder für sich, ans Küchlefechten zu gehen. Der jüngste unter ihnen, ein achtzehnjähriger, frischer Bursche, elegant und zünftig gekleidet in blauen Tuchanzug, einen Zylinder mit Wachstuch überzogen auf dem Haupt, einen mächtigen Ziegenhainer in der Rechten und ein großes ledernes Felleisen auf dem Rücken, schickte sich bebenden Herzens zum Fechten an. Ihm waren die letzten Häuser des Dorfes zugefallen, aber er des Fechtens nicht gewohnt, weil in jener Zeit die Handwerksburschen nur in der Not fochten und ihnen überall die Zunft unterstützend zur Seite stand. In drei Häusern bat er um Küchle, in allen dreien wurde er mit seiner Bitte abgewiesen. So kam er an das allerletzte Haus: es schien ihm das Pfarrhaus zu sein, hier, dachte er, bekommst du gewiß Küchle. Mit diesem Gedanken ging er die steineine Treppe hinauf und im Haus der Küche zu, wo zwei weibliche Wesen hantierten, während in einer Ecke, mit einem weißen Tuch bedeckt, ein Korb stund, in dem der Fremdling sicher den Leckerbissen vermutete. Bescheiden tat er seinen Spruch: »Ein armer Handwerksbursche bittet, da es

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