Thekla - Ein Gedicht in neun Gesängen
Ueber das steile Gebirg gen Süden den sonnigen Fußweg Wanderten Zwei mit einander und prüften sich oft mit den Augen, Wie wohl Reisende thun, die ein Zufall kürzlich gesellt hat. Einer an Wuchs ansehnlich, in griechischem Kleide, die Locken Glänzend von Oel und den wehenden Bart sorgfältig gekräuselt; Schlicht wie ein Handwerksmann sein Wandergenoß, der ein Bündel Trug, vielfältig geschnürt, und schwer von der Bürde geplagt schien. Denn oft keucht' er und wischte den Schweiß, so erfrischend der Herbstwind Stöberte zwischen den Fichten. Er hielt sich immer ein wenig Hinter dem rüstigen Fremden und schien unfroh der Begleitung. Rings auf Stunden begegnete nichts als weidende Ziegen, Oder ein Trupp Waldesel, versprengt in der steinigen Wildniß, Die mit Sprüngen entflohn, sobald sich die Wanderer nahten. Jetzt zu dem stummen Gefährten begann der gesellige Grieche: Wie armselig und rauh liegt weit in der Runde das Bergland, Offen dem Wechsel des Sturms! Kaum mag auf den Klippen die Föhre Dürftige Nahrung finden, und gelb wie am Feuer getrocknet Raschelt das spärliche Gras und die hungrige Ziege verschmäht es. Da wird freilich das Herz nicht heiter gestimmt. Ich versprach mir Bessern Gewinn vom Tage, zumal da gestern die Reise Mich durch lachende Thäler und üppige Wiesen geführt hat. Stets noch denk' ich daran, wie ich fröhlichen Muthes dahinritt Heerden und Hirten vorbei und der