Chapter

Erstes Kapitel

Als ich das letzte Mal in München war, hörte ich, aus der Sezession nach dem Englischen Garten gehend, meinen Namen rufen. Ich sah mich um und konnte mich des Winkenden nicht gleich entsinnen. Erst als er in seiner langsamen, bedächtigen und pedantischen Art, den Zwicker in der Hand, sich näherte, erkannte ich, daß es Mohr war. Ich hatte ganz vergessen, daß der jetzt in München lebt. Wir begrüßten uns. Es traf sich, daß er nichts zu tun hatte; so trug er sich an, mich zu begleiten, und ich war es froh. Wir kennen uns lange. Als ich 1883 nach Berlin zu Wilhelm Scherer ins Seminar kam, war der Doktor Naurus Mohr als Assistent dort: er leitete unsere Verhandlungen, teilte die Themen aus und Scherer schien viel von ihm zu halten. Ich habe mich oft gefragt, was der freie, feine und so heitere Geist unseres edlen Lehrers denn wohl an diesem schweren und doktrinären Schüler finden mochte. Mohr war mir nämlich damals gar nicht sympathisch. Ich kann nicht recht sagen, was ich eigentlich gegen ihn hatte. Seinen Verstand, seinen Fleiß durfte ich nicht leugnen; auch war er von den besten Manieren, freilich umständlicher und peinlicher, als man es sonst unter Studenten ist. Ich wurde doch eine leise Warnung in mir nicht los. Ich mußte ihn achten, man konnte von ihm lernen, aber er war mir halt zu korrekt. Ich hätte was für eine tolle Laune, eine ungerechte Wallung, einen dummen Streich von

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