Die Wüste
Damals war die Wüste von frommen Büßern bevölkert. Auf beiden Ufern des Nils standen unzählige, von den Einsiedlern aus Zweigen und Tonerde gebaute Hütten, und zwar in solchen Abständen voneinander, daß ihre Bewohner in voller Einsamkeit leben, sich aber doch im Notfalle Hilfe leisten konnten. Kirchen, welche das Kreuzeszeichen trugen, erhoben sich da und dort über den Hütten, und die Mönche begaben sich an den Festtagen dorthin, um der Feier der Mysterien beizuwohnen und an den Sakramenten teilzunehmen. Es gab auch hart am Flußufer Häuser, in denen mehrere Zönobiten, jeder in einer engen Zelle eingeschlossen, lebten, um in dieser Art der Vereinigung die Einsamkeit noch besser zu genießen. Anachoreten und Zönobiten lebten in strenger Enthaltsamkeit. Sie aßen erst nach Sonnenuntergang, und ihre Mahlzeit beschränkte sich auf ein Stück Brot, etwas Salz und Ysop. Einige gruben sich in den Sand ein, schlugen ihr Heim in einer Höhle oder einem Grabe auf und führten ein noch merkwürdigeres Leben. Alle bewahrten die Keuschheit, trugen ein härenes Gewand mit Kapuze, schliefen nach langem Wachen auf nackter Erde, beteten, sangen Psalmen, kurz, verrichteten täglich die Großtaten der Buße. In Anbetracht der Erbsünde versagten sie ihrem Körper nicht nur Vergnügungen und Befriedigungen, sondern sogar die nach der Ansicht der Weltkinder unentbehrliche Pflege. Sie waren der Ansicht, daß die