Die Geschichte von Heikâr dem Weisen
Ferner erzählt man, daß in den Tagen des Königs Sanchārîb,Der Sennaherib der Bibel. des Herrn von Assur und Ninive, ein Weiser lebte, Namens Heikâr, der Großwesir jenes Herrschers und sein Kanzler, ein Grande von übergroßem Reichtum und unbegrenztestem Vermögen; und dabei war er klug und weise, ein Philosoph, und begabt mit Wissen, Rat und Erfahrung. Er hatte sechzig Frauen geheiratet, für deren jede er in seinem Palast ein eigenes Gemach gebaut hatte; jedoch hatte er keinen Sohn, den er hätte pflegen können, so daß er deshalb schwer bekümmert war und eines Tages die Sachverständigen, Astrologen und Zauberer, versammelte und ihnen seinen Fall vortrug, sich über seine Unfruchtbarkeit beklagend. Sie antworteten ihm: »Geh' hinein, opfere den Gottheiten, frag' sie um Rat und flehe sie um ihre Huld an; sie werden dir dann vielleicht das Geschenk eines Kindleins gewähren.« Der Weise that, wie sie es ihn geheißen hatten, und brachte Opferspenden und Schlachtopfer vor die Bilder, ihre Hilfe erflehend und sich in Bitte und Gebet demütigend; jedoch ließen sie ihm nie eine Antwort zu teil werden. Da ging er betrübt und enttäuscht fort und zog ganz entmutigt seines Weges, bis er in seiner Demütigung zu Gott, dem Allmächtigen, zurückkehrte und ihm sein Geheimnis anvertraute, indem er ihn in dem Brand seines Herzens um Hilfe anging und mit lauter Stimme rief und sprach: »O Gott Himmels und