Die Frau mit dem Sammet-Halsbande
Die Frau mit dem Sammet-Halsbande. Das Arsenal. Am 4. December 1846, als mein Schiff seit dem Tage zuvor in der Bai von Tunis vor Anker lag, erwachte ich gegen fünf Uhr Morgens mit dem Eindrucke jener unendlichen Schwermuth, welche für einen ganzen Tag das Auge feucht und die Brust beklommen macht. Dieser Eindruck rührte von einem Traume her. Ich sprang aus meinem Bette, zog ein Beinkleid an, ging auf das Verdeck hinauf und blickte vor mich und um mich. Ich hoffte, daß die wundervolle Landschaft, welche sich vor meinen Augen entfaltete, meinen Geist von diesem Tiefsinne befreien würde, der um so hartnäckiger war, als er eine minder wirkliche Ursache hatte. Ich hatte auf Flintenschußweite den Strand vor mir, der sich von dem Fort de la Goulette bis zum Fort des Arsenals erstreckte, und nur einen schmalen Durchgang für die Schiffe ließ, welche aus dem Meerbusen in den See fahren wollen. Dieser See mit wie der Himmel, den er wiederspiegelt, blauem Wasser, war an gewissen Stellen durch den Flügelschlag einer Schaar von Schwänen ganz bewegt, während auf von Stelle zu Stelle, um die Untiefen anzudeuten, eingerammten Pfählen gleich jenen Vögeln, die man auf den Gräbern anbringt, ein Seerade regungslos saß, der sich plötzlich wie ein Stein in das Wasser stürzte, untertauchte, um seine Beute zu erhaschen, mit einem Fische in dem Schnabel wieder auf die Oberfläche des Wassers