Tausend Eisen im Feuer
Baron Rittergutsbesitzer von Milde war am Abend des 28. Juli 1919 mit dem Schnellzug aus Jütland nach Kopenhagen gekommen. Zeitig am Morgen hatte er sein Schloß "Marienburg" auf der Insel Fünen verlassen, zusammen mit seiner Gemahlin, einer Schwedin aus dem freiherrlichen Geschlecht der Löwenadler. Sie waren beide von echt aristokratischer Gesinnung, das heißt, freundlich gegen kleine Leute und von dem Bestreben beseelt, ihren Besitz so unbeschnitten zu bewahren, wie sie ihn ererbt hatten. Außerdem interessierten sie sich für Jagd, Kunst und den nationalen Viehbestand. Sie hatten einen einzigen Sohn, Torben, der schon lange in die Welt hinausgeflogen war und ein tatenloses Leben an irgendeiner Gesandtschaft führte. An jenem Morgen also waren Baron und Baronin von Milde nach Knarreburg gefahren, um in dem großen Garten des Wirtshauses der Eröffnung einer landwirtschaftlichen Ausstellung beizuwohnen. Das Ehepaar fehlte selten bei solch einer Festlichkeit, teils weil sie sich als Gutsherrschaft der Gegend dazu verpflichtet fühlten, teils weil alles, was zur Landwirtschaft gehörte, sie beide stark interessierte; war die Baronin doch auf den großen schwedischen Gütern derer zu Löwenadler aufgewachsen, und der Baron gehörte zu einem alten dänischen Geschlecht, das seit Jahrhunderten Gutsbesitzer hervorgebracht hatte. Es war ein warmer, etwas feuchter Julitag; nachts hatte es