Erstes Kapitel
Im Dorfe des Kannibalenhäuptlings Odebe am Rande des Ugogo hockte Esteban Miranda im Schmutze der finsteren Hütte und kaute an den Resten eines nur halb garen Fisches. Seinen Nacken zierte ein eisernes Sklavenhalsband, das mit einer einige Meter langen rostigen Kette an einem Pfosten hing, der neben dem niederen Hütteneingang tief in den Boden eingegraben war. Der Ausgang ging auf die Dorfstraße hinaus und befand sich in nächster Nähe von Odebes eigener Hütte. Seit einem vollen Jahre lag Esteban Miranda wie ein Hund angekettet, kroch manchmal durch das niedere Loch aus seinem Kotter hinaus und ließ sich von der Sonne bescheinen. Nur zwei Zerstreuungen hatte er. Die eine war seine zum Dauerzustand gewordene Einbildung, Affentarzan zu sein, den er als guter Schauspieler so lange und mit solch zunehmender Vollendung gespielt hatte, daß er zum Schlusse diese Rolle gänzlich lebte und erlebte. Er war Affentarzan – für ihn stand das fest – es gab keinen andern! Genau das gleiche dachte auch Odebe. Aber der Dorfzauberer behauptete unentwegt, man habe den Flußteufel vor sich, den man günstig stimmen müsse und nicht ärgern dürfe. Diese Meinungsverschiedenheit zwischen dem Häuptling und dem Zauberdoktor hatte Esteban Miranda bisher vor den Fleischtöpfen des Dorfes gerettet. Odebe wollte ihn gerne fressen, weil er ihn für seinen alten Erzfeind, den Affenmenschen hielt. Der Zauberdoktor