Die Mädchen von Tahiti und die alten Bekannten
Das Gebet war aus, das laute feierliche Amen schwoll durch die Wipfel der Palmen nach See zu, sich draußen mit der Brandung Rollen zu mischen. Mit dem Amen aber schien es auch, als ob der Zauber gebrochen wäre, der den leichten fröhlichen Sinn der Insulaner bis dahin so merkwürdig und außergewöhnlich fest im Zaum gehalten, und wie denn auch der Eingeborne nie so recht tief den Ernst einer feierlichen Stunde fühlt, sprang er im Nu zurück in sein alltäglich Leben. »Hierher Maïre, hierher und fort mit uns« klang der fröhliche Laut — »komm hinunter zum Guiavenbach; tief versteckt da in Busch und Laub tanzen wir. Heute sehens die Mitonares nicht, denn großes Essen ist immer wenn sie eine Zeitlang gebetet.« »Aber die anderen schwatzen« sagte Maïre unschlüssig zur Schwester aufsehend, »und nachher arme Maïre; Vater Au-e hat mir so schon die Hölle versprochen, und er schickte mich g'rad hinein, fänd er mich.« »Bah — bah — bah« lachte die Andere und schüttelte mit dem Kopf — »da, hier und hier« — auf Mund und Herz zeigend — »das ist fromm, das hat Religion und das ist genug — Alles andere aber ist frei, Maïre; und rasch nun Mädchen, denn wir versäumen den Spaß.« — Und wie ein paar aufgescheuchte Rehe flohen die beiden, von vielen Anderen jetzt gefolgt, erst seitwärts in den Orangenhain, um dann hinter den Gärten weg nicht dem Blick mancher »Kirchgänger« ausgesetzt zu sein, die Aergerniß