1918
• Berlin–Magdeburg. 6. November 1918. Mittwoch Früh um acht telephonierte mich Hatzfeldt an, das Kabinett habe doch noch gestern abend in Sachen Pilsudski einen Beschluß gefaßt, allerdings in Abwesenheit des Kanzlers und nach aufgehobener Sitzung im Stehen, aber unter Zustimmung von Groener und Hoffmann. Er soll freigelassen werden, aber vorher eine schriftliche Erklärung abgeben, deren Wortlaut von General Hoffmann aufgesetzt ist. Ich wurde beauftragt, hinzufahren und ihn zu der Erklärung zu bestimmen. Mit Hatzfeldt ins Kanzlerpalais, wo der Kanzler nicht zu sehen war; dagegen Groener, den ich nur einen Augenblick, ohne Pilsudski zu erwähnen, sprach; dann Haeften, der die Sache formal in die Hand nahm. Im gewaltigen Kongreßsaal berieten derweilen an einem Tischchen der Marinestaatssekretär Mann und der Sozialdemokrat Ebert; Haeften hatte Eile, weil er Hermann Müller in ein Flugzeug setzen mußte, damit er nach Hamburg fliege, wohin die Verbindungen unterbrochen sind; Scheidemann schritt majestätisch im Gespräch mit einem anderen Staatsmanne durch die Säle. Auf der Treppe traf ich Oberndorff, der mir zurief, daß er um fünf mit Erzberger zu Foch ins französische Hauptquartier fahre, um die Waffenstillstandsbedingungen zu erfahren. Das débâcle ist vollständig, Kapitulation und Revolution; in diesen durch den Berliner Kongreß bismarckisch geweihten Räumen ebenso packend wie vor