14. September
14. September An einem milden regenreichen Tag bin ich bei meiner neuen Dienststelle angekommen. Es ist die zwölfte in knapp zwei Jahren. Wohlgemerkt, hier soll nicht die Rede sein von allen anderen Stellen in den vorhergegangenen Jahren. Es wäre unmöglich, sie aufzuzählen. Oh, ich kann mich rühmen, bisher eine Unmenge von Wohnungen, Gesichtern und schmutzigen Seelen kennengelernt zu haben. Und damit hat es noch kein Ende. Ich wurde in meiner Laufbahn in einem außergewöhnlichen Wirbel hin und her gerissen, es war ein ständiger Wechsel von Büros zu Haushalten und von Haushalten zu Büros, vom Bois de Boulogne zur Bastille, vom Osservatoire zum Montmartre, von den Ternes zu den Gobelins, nirgends konnte ich länger Fuß fassen, ach, es war recht schwierig, mit den verschiedenen Herrschaften auszukommen. Einfach unglaublich, was man so als Kammerzofe alles erlebt. Mein jetziges Engagement verdanke ich der Vermittlung der kleinen Annoncenspalte im Figaro, ohne daß ich meine neue Madame je zu Gesicht bekam. Wir schrieben uns bloß, und da kann man später zuweilen Überraschungen erleben. Die Briefe von Madame waren gut abgefaßt, das ist wahr. Aber sie offenbarten einen pedantischen, kleinlichen Charakter. Oh, welche Vielfalt an Wenn und Aber, an Warum und Weshalb. Ich weiß nicht, ob Madame geizig ist, doch keineswegs wählt sie ihr Briefpapier mit Sorgfalt, denn es stammt aus dem Kaufhaus