Der Weber an der Wand
Im baierischen Gebirge gibt es viele schöne Thäler, die erst seit verhältnißmäßig kurzer Zeit, und zwar nur von Bewohnern der Hauptstadt oder von Fremden, die sich nur vorübergehend in München aufhalten, besucht werden. Es ist hier weniger die Rede von den Gegenden, welche von dem heiteren Schliersee, dem romantischen Wallersee, oder dem großartigen Würmsee geschmückt werden, als vielmehr von jenem Gebirgsstriche, durch welchen die Straßen nach Salzburg und Berchtesgaden sich öffnen. Ein wohlgelegener Punkt, von wo aus jene Thäler und Höhen besucht werden können, ist der Marktflecken Rosenheim. Seine Lage ist anmuthig zu nennen, und was auch in der nächsten Umgebung des Fleckens an Reiz und Schönheit der Gegend mangeln mag, läßt den Beschauer wenigstens das Gebirgspanorama ahnen, welches sich vor seinen Blicken ausbreitet. – Rosenheim ist mit einer Mineralquelle gesegnet, und in dem Badhause sammelt sich alljährlich eine leidliche Zahl von Gästen, die, wenn sie gerade nicht im Schwefelpfuhl oder in der Soole schwimmen, welche von der landesherrlichen Saline spendirt wird, nichts Besseres zu thun haben, als Excursionen in die entferntere Umgegend zu machen, theils um der Langeweile zu entgehen, theils um Schatten und Erquickung zu suchen, die ihnen in Rosenheim selbst nicht werden. – Man hat eine leidliche Wahl in seinen Ausflügen zu treffen, und kann sich solchergestalt die