Tabula rasa
Die Szene ist dauernd die bürgerliche Wohnstube Ständers Bertha. Nach fünf Jahren Dienst hätte man Aufbesserung verdient. Ständer. Ich bin Arbeiter wie du, simpler Glasbläser, und habe nicht das Recht, von anderen Dienste zu fordern. Du dienst nicht bei mir, unser Verhältnis ist ein – Bertha. Von dem wollte ich nicht sprechen. Ständer. Beruht auf einem Gegenseitigkeitsvertrag, nach dem gegen Unterhalt und Ernährung du die Führung meines Haushalts freiwillig übernahmst. Bertha. Mit einem Monatslohn. Ständer. Einem Geschenk, das ich jeden Monatsersten wiederhole. Hast du dir einfallen lassen, es vor den Nachbarn hinzustellen, als seist du Magd im Haus? Bertha. Ich spreche mit niemandem. Ständer. Was sollte die Welt denken? Ein Arbeiter, der für sich arbeiten läßt, ein Proletarier, der Sklaven hält! Bertha. Wenn ich aber um halb sechs Uhr früh aufstehen muß! Ständer. Übereinkunft! Bertha. Schweine füttern, den Abtritt räumen! Ständer. Gesellschaftsvertrag! Bertha. Bis in die Nacht mich schinde, um im Bett noch keine Ruh' zu haben. Ständer. Das geht dich als Weib an. Ist außerhalb der Abmachung. Bertha. Sie wollen mir den Lohn nicht erhöhen? Ständer. Du hast zum Donnerwetter keinen! Freiwilliger Vertrag. Bertha. Ich will einen neuen mit Ihnen machen. Fünf Mark monatlich mehr. Freiwillig. Ständer. Du freiwillig. Aber ich nicht. Das ist doch der Unterschied zwischen Dienstbarkeit und